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Realistisches Begrasen in mehreren Schichten
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Module
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THEMA: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten

Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6260

Liebe Forenteilnehmer,

ich möchte eine möglichst realistische elektrostatische Begrasung meines Moduls durchführen.
Auf den Hanglagen und ebenen Flächen sollen unbepflegte Wildwiesen mit den typischen Grasbüscheln entstehen.
Ausgangsmaterial sind einfarbige Polyamid-Grasfasern (Vampisol) in verschiedenen Längen:

hellbeige, 2mm und 6mm
dunkelbeige, 2mm
maigrün, 2mm und 6mm
dunkelgrün, 2 mm und 6mm
mittelbraun, 2mm und 6 mm

Ich habe bereits zahlreiche Versuche mit den Grasfasern durchgeführt, um reproduzierbar geeignete Mischungen z. B. für trockenes Gras, Gras in der Ebene oder feuchtes Gras in einer Senke zu erhalten. Mit den erzielten Ergebnissen bin ich durchaus zufrieden.

Für mich stellt sich nun die Frage, wie man - ausgehend vom Boden bis zu den Blattspitzen der Grasbüschel - die einzelnen Schichten aufbaut.
Seit vielen Wochen habe ich mir dazu unzählige Tutorial-Videos und viele Internetauftritte zum Thema „Elektrostatisches Begrasen“ angesehen.
Am besten haben mir die Video-Beiträge von Vampisol und vom „Walburg-Projekt“ (Fremo-H0) gefallen, da sie die Arbeitsschritte zum Teil sehr detailliert zeigen.
Dennoch fehlen hier für mich als Anfänger noch wesentliche Details zur Umsetzung der gesamten Begrasung.

Deshalb wende ich mich an die Vegetationsspezialisten unter Euch:

Mit welchen Farben, welcher Faserlänge und mit welcher Streudichte wird die Grundbegrünung durchgeführt, auf der dann die Grasbüschel aufgesetzt werden?
Wird schon bei der Grundbegrünung mit verschieden langen Grasfasern gearbeitet?
Mit welchen Farben, welcher Faserlänge und mit welcher Streudichte wird bei der Darstellung der Büschel gearbeitet?
Werden die einzelnen Büschel in mehreren Schichten aus 6mm-Grasfasern aufgebaut oder arbeitet man besser mit 12mm-Fasern?
Welche Farben werden zur Schichtung bei Verwendung von 6mm-Fasern nacheinander verwendet?
Hat vielleicht jemand von Euch schon mal eine detaillierte Anleitung zu diesem Thema erstellt?

Für Eure Antworten möchte ich mich jetzt schon bedanken!

Viele Grüße
Stefan

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6264

Hallo Stafn,
ich glaube jeder von uns hat da sehr unterschiedliche Vorgehensweisen. Ich für meinen Teil nehme gerne Woodland Turf und nehme das als untere Schicht. Andere haben nur die erdbraune Landschaftshaut.

Ich glaube, den einen Weg wird es nicht geben. Helfen können nur Probestücke bei denen man(n) verschiedene Wege mal probiert.

Gruss
Karsten
Folgende Benutzer bedankten sich: stefand

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6265

Hallo Stefan,

wie Karsten schon schrieb, gibt es weder DIE Methode, noch DIE Materialien, DEN Kleber oder DAS Beflockungsgerät.

In Rastede wollen wir die Betriebspausen ein wenig nutzen, um unsere Module etwas zu begrünen (siehe Rastede 2018, Beitrag #6203). Du bist herzlich dazu eingeladen und kannst hier gerne sowohl theoretische, als auch praktische Erfahrungen sammeln.

Ich bin kein Spezialist, kann Dir aber zumindest meine Methode beschreiben.

Ich nehme ebenfalls wie Karsten Woodland Turf (das feine) als Übergang zu unbegrasten Flächen. Das Turf verklebe ich mit Wasser/Weißleim (erst den Kleber, dann das Turf, da der Kleber sonst das Turf wegspült).
Nach dem Durchtrocknen kommt die Grundbegrünung drauf.
Hier verwende ich zunächst - sehr dezent - Heki Wintergras, auf ganzer Fläche. Darauf folgt im gleichen Arbeitsgang die Grundmischung, welche bei mir aus oliven und beigen Fasern (6,5 mm) der Firma Borchert & Moller besteht (ca. 55 zu 45 Prozent). Die Fasern entsprechen denen, die auch Noch und Silhouette/Mininatur unter anderen (Farb-)Namen vertreiben.
Noch im gleichen Arbeitsgang setze ich mit Einzelfarben (olive, beige und kaffeebraun) Akzente, wobei die kaffeebraunen Fasern nur 2 und 4 mm lang sind. die 2 mm langen Fasern werden dezent an den Rändern aufgetragen und die längeren Fasern auf der Fläche.
Mit den oliven und beigen Fasern werden vertrocknete oder saftige Bereiche hervorgehoben.
Immernoch im gleichen Arbeitsschritt folgen lange beige Fasern (12 mm) dezent flächig verteit.

Alle Farben (außer der "Grundmischung") werden getrennt verarbeitet und nicht vermischt!

Als Kleber verwende ich Acrylbinder matt von Boesner. Den Kleber trage ich mit einem groben Filterschwamm aus dem Aquaristikbedarf auf, so dass eine löchrige Fläche entsteht. Das Durchtrocknen dauert ca. 24 Stunden.

Dann wird mit einer Zahnbürste und einem Staubsauger die Fläche ordentlich durchgekämmt bis keine losen Fasern mehr vorhanden sind. (Keine Angst, der Binder hält Bombe!)

Das was ich aufsauge fange ich nicht auf, da es ein bunter Mix aus allen Fasern ist und praktisch keine gezielte Gestaltung damit möglich ist (also zumindest ich kann es nicht).

Danach folgen auf die gleiche Weise mehrere Durchgänge mit 6,5 mm Fasern olive und beige (je nachdem in verschiedenen Mischungen), welche auf die Grundbegrünung aufgetragen werden.
Jeder Arbeitsschritt braucht mind. 24 Stunden bis zur Durchtrocknung.

An Böschungen kann beim Absaugen mit der Zahnbürste die "Wuchsrichtung" etwas korrigiert werden, da sich die Fasern immer senkrecht zum Boden ausrichten.

An Modulenden bricht das Spannungsfeld zusammen. Dort sollte man ein Brett, eine Pappe oder sonst etwas gegen halten, so dass das Beflockungsgerät denkt, das Modul geht weiter.

Niemals eine Fleece-Jacke beim Begrasen tragen!

Ich verwende das Heki-Profigerät mit 70 KW, 3 Aufsätzen mit jeweils 2 Sieben. Zum Teil verkleinere ich die Ausschnitte noch mit Einlagen (Papier oder Pappe mit einem runden Ausschnitt), um gezielter begrasen zu können.
Auch fülle ich den Behälter nur soweit, wie nötig, maximal bis zur Hälfte, so dass sich ein Spannungsfeld auch aufbauen kann.

Nach dem Begrasen geht es zunächst mit dem Beschneiden der Gräser an den Rändern weiter (mit einer scharfen Nagel- oder Bastelschere) und dem Zupfen von einzelnen Fasern oder Büscheln, die zu sehr auftragen oder mehr liegen als stehen.

Zum Abschluss werden Bodendeckern, Blumen, Unkraut und Büsche gesetzt.


Gruß
Joachim
Folgende Benutzer bedankten sich: HansTr, stefand

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6266

Nachtrag

Einen Bereich/eine Fläche sollte man komplett bearbeiten, auch wenn diese(r) über mehrere Module geht. Macht man dies über mehrere Tage, kann es sein, dass man die Ansätze sieht, auch wenn man mit gleicher Mischung weiter arbeitet.

Eine Kuhweide, ein Feld oder eine Parkwiese sehen natürlich anders aus, als Brachland bzw. ein Bahndamm und sind anders zu gestalten. Das Grundprinzip ist das gleiche.

Ich benötige etwa 200 bis 300 Gramm pro Quadratmeter. Andere kommen mit 50 Gramm aus und können damit eine ganze Anlage gestalten!

Probieren, probieren, probieren heißt das Zauberwort.


Gruß
Joachim

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6267

Hallo Joachim,

besten Dank für Deine sehr ausführliche Beschreibung und die vielen Tipps.
Damit hast Du mir sehr geholfen!

Viele Grüße
Stefan

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6268

Hallo Joachim,

stell doch einfach mal ein paar Fotos deiner Arbeiten ein, dann kann man sich das Ganze besser vorstellen. Ich finde die Anregungen auf jeden Fall hilfreich.

Ein Foto meiner Begrünung ist angehängt.

Gruß

Klaus-Gerd

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Folgende Benutzer bedankten sich: stefand

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6269

Demnächst steht bei mir das Begrasen meiner Module an.
Dabei werde ich Fotos der einzelnen Arbeitsschritte machen, so dass man das oben beschriebene nachvollziehen kann.

Vielleicht wäre von allgemeinem Interesse einen neuen Thread aufzumachen, in dem verschiedene Methoden beschrieben werden, da ja nicht jeder die gleichen Fasern verwendet und mit unterschiedlichen Beflockungsgeräten und Klebern gearbeitet wird.


Gruß
Joachim
Letzte Änderung: 3 Monate, 2 Wochen her von JoachimW.
Folgende Benutzer bedankten sich: stefand

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 8 Monate her #6272

Hallo Joachim,

über Deine Ankündigung zur Bilddokumentation der einzelnen Bearbeitungsstufen freue ich mich sehr.

Ich wäre auch sehr an einem neuen Thread rund um das Thema Begrasung und Begrasungstechniken interessiert.
Vielleicht könnte man den Thread sogar noch erweitern, in man ganz allgemein die realistische Darstellung von Vegetation zum Thema macht:
Dazu würde mir auch der Selbstbau von vorbildgerechten Bäumen, Sträuchern und Wildpflanzen einfallen. Auch hier gibt es verschiedene Arbeitstechniken und unterschiedliche Ausgangsmaterialien, die zum Erfolg führen (faszinierende Beipiele zum Thema Selbstbau von Wildpflanzen gibt es bei den "Buntbahnern").

Viele Grüße
Stefan

Aw: Realistisches Begrasen in mehreren Schichten 7 Monate, 4 Wochen her #6274

Realistisch ist vielleicht das falsche Wort!

Wenn jemand 1,76 m groß ist und auf ein Modul in einer Höhe von 1,11 m schaut, haben die Augen in etwa einen Abstand von 0,6 m zum Objekt. In der "Realität" wären es 0,6 * 32 = 19,2 m, also rund 20 m. Das entspricht dem Blick aus einem Fenster im 5. oder 6. Stock.

2018-01-26.JPG


Das Bild zeigt einen solchen Blick auf eine Grünfläche. Auch wenn es sich hierbei um eine kultivierte Fläche handelt, man kann hier und auch sonst keine einzelnen Grashalme erkennen.

"Realistischer" als Grasfasern wäre also das Begrünen eines Moduls mit Turf.

Problem dabei ist jedoch zum einen unser Hirn und zum anderen die unterschiedlichen Entfernungen bei der Betrachtung.
Klebe ich mit meiner Nase am Modulrand, um einen vorbeifahrenden Zug aus nächster Nähe zu betrachten, wirkt Turf vollkommen fehl am Platze.
Da ein Modul nicht unser ganzes Blickfeld ausfüllt, wir zusätzlich noch andere Dinge drum herum wahrnehmen und unser Hirn entsprechend die Entfernung Auge-Objekt nicht als 20 m verinnerlicht, sondern als die realen 0,6 m, kommt vom Hirn weiterhin das Signal, dass man in einer solchen Entfernung doch einzelne Grashalme wahrnehmen müsste. Die Szene wirkt fehlerhaft, obwohl optisch Turf "realistischer" wäre als Grasfasern.
Schlimmer ist es noch bei Bäumen. Stehe ich vor einem großen Baum, kann ich unten einzelne Blätter wahrnehmen. Die Baumkrone nehme ich hingegen nur noch schemenhaft wahr, aber das Hirn "weiß", dass da oben Blätter sind.

Hinzu kommt, dass die Natur "natürlich" ist. selbst wenn der Mensch eingreift, gibt es Unregelmäßgkeiten.

Dies alles glaubhaft abzubilden ist eine Kunst.
Hinzu kommt auch noch das persönliche Harmonieempfinden. Was auf den einen total realistisch wirkt, führt bei einem anderen nur zum Schulterzucken.

Zum Beispiel gibt es in der Natur durchaus krumme Bäume und auch von Menschen gesetzte Masten die mit der Zeit (oder von Anfang an) nicht mehr ganz so senkrecht stehen.
Wird nun bei der Gestaltung einer Anlage penibel sauber gearbeitet, so dass die Übergänge zwischen verschiedenen Bereichen (z.B. Schotter/Randweg, Randweg/Grünstreifen, Grünstreifen/Wald, Grünstreifen/Straße, Straße/Gehweg, Gehweg/Häuser, usw.) handwerklich perfekt ausgeführt sind, stört ein schiefer Mast die Szene erheblich, da er nicht zum Rest passt, obwohl dies durchaus "realistisch" wäre (wenn denn alles andere eben auch nicht perfekt wäre)!

Unser Hirn hat also ein gewisse Erwartungshaltung.

Jeder sollte seine Module so gestalten wie es ihm - persönlich - gefällt und den künstlerischen und handwerklichen Fähigkeiten entspricht.

Eine Betrachtung verschiedener Techniken kann aber neue Ideen hervorbringen und dazu führen die eigenen Techniken zu verbessern oder andere Materialien kennenzulernen.
Ich würde mich daher freuen, wenn auch andere ihre Methoden ausführlich vorstellen würden.


Gruß
Joachim
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