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Neues vom Samba...
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THEMA: Neues vom Samba...

Neues vom Samba... 2 Jahre, 1 Monat her #4908

...oder: "Güter gehören auf die Bahn"

ehe es wieder zu warm zum Arbeiten wird, noch schnell eine Geschichte von unserem Lokführer Burkhard V. (Name der Redaktion bekannt)
Burkhard hat Bereitschaft und bekommt morgens bei der Auftragsverteilung eine Sonderaufgabe. "Dringender Ernteeinsatz" stand da zu lesen. Sein Rangierer grinste wieder nur und meinte, die Brombeeren in Küllenhahn müßten bestimmt mal abgeerntet werden...
Zu seiner Überraschung sollte er nicht mit seinen vertrauten Dreirädern auf den Berg rauf, sondern der Kollege sagte ihm: " Geh ma rüber nach Gleis 101. Der Kollege mit der "Dicken" kommt gleich dahin und Du solls Lotse machen."
Ok. Als sie dort ankamen stand schon die 221 106-8 am Gleis und der Kollege erwartete sie schon. "seid ihr beiden die, die mich in dieses Gottverlassene Dorf bringen sollen" "nu ma halblang, Kollege! Gottverlassen sinn wa hier nich, nur weil wa vielleich keene 2-Mots haben" ...Der Ton in Steinbeck war immer schon etwas rauh... aber nichts desto Trotz kameradschaftlich.
Sie machten sich erstmal gegenseitig und mit der Maschine bekannt. Der Kollege erzählte, daß er mit diesen großen Maschinen eigentlich nur noch auf der Angertalbahn nach Ratingen-Wülfrath unterwegs ist und dort die schweren Kalkzüge ins Ruhrgebiet zu den Zechen fährt. Diese Züge fahren ohne festen regelmäßigen Fahrplan und werden je nach Bedarf eingelegt. Aber heute hatte der Disponent für diese Maschine besagte Sonderleistung nach Wt-Küllenhahn eingelegt.
Flugs gings Lz rauf auf den Berg. Das war ja nun für die 2 Motoren gar kein Problem.
Oben angekommen, sahen sie den "Ganzzug":
2 E 037, voll beladen mit... Brombeeren..!
DSCN4773.jpg

und bewacht von einem 4 beinigen Untier, was sich aber als harmlos herausstellte und bei freundlicher Zp1 Aufforderung gemächlich von dem Areal entfernte.
Nunja, ran an die Wagen.
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" Sapperlot, Tatsache, die Küllenhahner haben echt Riesenfrüchte" entfuhr es dem Kollegen aus Oberhausen-Osterfeld.
Aber Burkhard denkt immer praktisch:
"Lass uns ma die beiden annern E- Wagen vom Ernenputsch noch mitnehmen. Dann sieht dat Ganze nich so traurich aus..."
Gesagt getan, die Wagen wurden schnell umrangiert, aneinenadergekuppelt, und fertig waren sie für die Rückfahrt.
DSCN4780.jpg

Kürze Anfrage beim Zugleiter Steinbeck, freie Bahn und ab die Post.
"Wo solls den hingehen mit der Fuhre?" fragt der Kollege neugierig. " nun," erwidert der Rangierer, "erstmal nach Steinbeck natürlich" ... " und dann in die Küche zu Meiburgs. Die Frau des Hauses macht da ganz leckere Marmelade von..."
DSCN4774.jpg
Martin Meiburg
Heimatdirektion Wuppertal
Letzte Änderung: 2 Jahre, 1 Monat her von martinm.
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Aw: Neues vom Samba... 2 Jahre, 1 Monat her #4910

Was wohl das Rheumafell gedacht hat?
Blog: schmalspur1.blogspot.de
Württembergische Schmalspur und ein wenig Normalspur.

Aw: Neues vom Samba... 2 Jahre, 1 Monat her #4913

die nehmen das erstaunlich gelassen; manche muss man mit der Lok "anstubsen" bevor sie das Gleis räumen...
Martin Meiburg
Heimatdirektion Wuppertal

Aw: Neues vom Samba... 6 Monate, 1 Woche her #6449

20°C und kaum Wind, also höchste Eisenbahn, mal wieder einen fahren zu lassen...
Also folgendes trug sich anno 1973 in Wuppertal zu:
... 6:30 morgens. Erich M. (Name ist der Redaktion bekannt) begibt sich zum Dienst beim Bw Wt-Vohwinkel. Es ist bereits Frühling, die Sonne dämmert gerade und es scheint ein schöner Tag zu werden. Wie es sich für einen Eisenbahner gehört, geht Erich zu Fuß die ca 4 km von seiner Wohnung in der Mondstraße rauf an den ehemaligen Hohmann Werken vorbei. Oben hinter den Eisenbahnbrücken geht ein kleiner Schleichweg runter zum Bahngelände. Der Weg führt an dem "Kanal" vorbei zur Lokleitung. Der immer noch vorhandene Hochbunker für die einstmals reichlich vorhandenen kohlefressenden Dampfer hat nur noch einen Monat vor sich. Die Dampfloks haben das Bw vor einem Jahr Richtung Duisburg-Wedau verlassen. Nur für 2 Fuffziger gibt es noch ein Gnadenbrot für Sonderleistungen, deswegen stehen 2 Maschinen dieser BR im Vohwinkler Rundschuppen. Das Bw Wt-Vohwinkel liegt quasi in den letzten Zügen, Ende 1974 soll die BD Wuppertal aufgelöst und der BD Köln zugeschlagen werden.
Erich hat schon Ende der 60er Jahre die Prüfung zum E-Lokomotivführer gemacht und fährt seitdem mit den reichlich vorhandenen E40 in der ganzen BD herum. Aber gestern hat ihn der Disponent gebeten, eine Sonderleistung zu fahren: "Erich, du hast doch früher auch Dampflok gefahren. Meinst du, du kannst es noch?" Derartig beim Stolz gepackt, konnte er ja gar nicht nein sagen und so tauschte er bereitwillig seinen Dienst um somit heute nochmal auf diesen alten Eisen zu fahren.
"...da sind so'n paar Verrückte, die haben einen Güterzug gemietet und wollen den fotografieren..." erklärt ihm der Lokleiter. "die wollen natürlich auch 'nen Dampfer davor. Wir haben dir die 625 schonmal angeheizt und ein bischen rausgeputzt."
In der Tat war ihm die blitzblanke 50er draußen am Umfahrgleis schon aufgefallen. Vollständig heißt die 625 seit 1968: 052 625-1.
Sie war bis vor einem halben Jahr lange Zeit in Vohwinkel und wird jetzt vom Bw Duisburg Wedau unterhalten.
Erich macht sich auf, die Maschine etwas unter die Lupe zu nehmen. Hm, sogar die Bw Schilder von Vohwinkel hat sie noch. Lohnt wohl keine Neubeschilderung mehr... (in der Tat wurde die Maschine bereits ein Jahr später z-gestellt...)
Mit einem Schlosserhammer kriecht er in die U-Grube und klopft Stellkeile und sonstige neuralgische Punkte ab, aber es scheint alles i.O. zu sein. Sand ist genug in den Kästen und die 625 hat ja zwei davon, also für das heutige Spektakel ausreichend. Sein Heizer hat schonmal vorgekocht, der Kessel steht bei 12bar, also alles klar für die Fuhre. Er geht nochmal hoch zur Lokleitung um die Klarmeldung abzugeben und die Fahrunterlagen zu übernehmen.
"Also: Lok fährt Lz nach Steinbeck. Dort Wagen aufnehmen und hoch nach Wt-Küllenhahn. Keine Lastfahrt, das ist heute reine Schau..."
Erich entert seine Fuffziger, packt die Aktentasche erstmal weg und blättert in seiner La. "Mensch wer hätte das gedacht, daß wir nochmal den Samba hochfahren" ruft er seinem Heizer zu. Der grinst nur und meint: "na, wenn das so'n paar Fotoheinis bezahlen, machen wir doch alles!"
Erich macht sich derweil mit seiner Maschine vertraut. Ist ja nun doch ein paar Jahre her, seit er das letzte Mal "auf dem Bock" stand...
Die Rangierfahrt Richtung Essener Strecke wird mittels "2 Helle" freigegeben, Erich macht die Zylinderhähne auf, die Lok hüllt sich in einen sattweißen Teppich aus Dampf, dann läßt er die 50er leicht antraben. " Wuff, Wuff, Wuff, Wuff, WuffWuff; Regler zurück, Steuerung zurück und die Fuffziger rollt mit leise klappernden Stangen brav los. Einmal auf der Ostseite hinter dem ASig geht es jetzt Tender vorraus nach Wt-Steinbeck, damit hinterher der Berg nach Wt-Küllenhahn mit der Rauchkammer voran in Angriff genommen werden kann. Erstmal quer über fast alle Gleise auf das Ortsgleis der 4-gleisigen Strecke durch das ewig langgestreckte Wuppertal. Dann läßt er sein Maschinchen laufen. In Höhe Sonnborn läßt er einmal die Einheitsdampffeife sprechen; so eine Routine damit die Familie weis, daß er gerade vorbeifährt...
Hinter Wt-Zoo bekommt er "Langsamfahrt erwarten" vom Zentralstellwerk Wt-Steinbeck. Hm, geht also obenrum denkt er. Mit obenrum ist die Güterzuführungsstrecke zum Steinbecker Vorbahnhof gemeint, die sich auf einem höheren Niveau über den 4 Gleisen der Hauptstrecke befindet.
Also rollt man gemächlich bis zum Haltzeigenden. Dort wartet schon der Veranstaltungsleiter und klettert auf die Lok. "...ich hab'schon alles geregelt. Wir fahren Rf nach Gleis 131, dort stehen ein paar ältere Wagen, alles aus der Bereitschaft. Wir brauchen nur ankuppeln und dann kanns losgehen." "Moment mal" erwidert Erich, "ich werde mich erstmal bei Fdl melden". Erich klettert von der Lok und wundert sich dabei über den vorwitzigen Knaben, der ihm irgendwie bekannt vorkommt. Er spricht vom Signalfernsprecher mit dem Fdl, der aber die Geschichte bestätigt. Also wieder rauf auf die Lok. 2 Helle kommen auf dem großen Signalschirm, die Fuffziger macht wieder ihr Wuff, Wuff, Wuffwuffwuffwuff und rollt mehr oder weniger ohne weiteren Antrieb Richtung Steinbeck Ortsgüteranlage.
Dort angekommen staunt Erich nicht schlecht: sogar einen alten G10 haben die Jungs aufgetrieben. Eine Schar von Fotobewaffneten steht auch schon dort und dokumentiert alles mit ihren Apparaten.
"so, wir fahren 11:50 hinter dem planmäßgen Triebwagen nach Wt- Küllenhahn, gehen dort auf die Seite und warten Kreuzung mit dem Triebwagen von Wt-Cronenberg ab. Zwischendurch vielleicht den einen oder anderen Halt". Erich zieht eine Augenbraue hoch: "den einen oder anderen Halt?". Der Jungspund grinst ihn an, "keine Sorge, das ist alles geregelt..:"
Also gut: alle Wagen sind gekuppelt, Zugschluß aufgesteckt, Bremsprobe gemacht.
Erich zieht vor in die Ausfahrgruppe. Dabei merkt er schon, daß seine 50er sich doch ein bischen anstrengen muß. "was ist das denn, ich denke die Schachteln sind leer?". Sein Heizer ruft ihm zu: " das sind doch Wagen aus der Reserve, die haben alle Gleitlager!"
Na, das kann ja heiter werden, denkt sich Erich.
Aber als alter U-Bootfahrer hat er schon ganz andere Klamotten gemeistert. Sein Kollege links hat auch schon gut gefeuert, der Kesseldruck steht kurz vor 16bar. Jetzt, wirds aber Zeit, denkt Erich noch, da kommt auf dem Schirm Hp2. "Los gehts!" sein Heizer nickt und ist schon wieder am schaufeln. Na, an Dampfmangel solls nicht liegen. Diesmal macht die Fuffziger eher FuchFuch FuchFuch und legt sich ordentlich ins Zeug. Es geht schließlich 30 Promille bergan. Aber für die 50er sind ja 150t am Haken nicht wirklich eine Belastung. Wenn sie denn nur ein bischen besser laufen würden...Hier gibt es schließlich 180m Radien...
Wie dem auch sei, Wt- Hindenburgstraße wird durchfahren, mehr als 50km/h darf Erich lt. Buchfahrplan eh nicht. Und die Fotografen freuts. Jedesmal wenn er an den BÜ's welche sieht, schiebt er den Regler noch ein bischen auf und läßt die laute Stimme der 50er erklingen.
Schon nähert sich Wt-Boltenholz. "Boltenholz?" fragt er seinen Veranstaltungsleiter und erntet wieder nur Grinsen. Mensch, ich war aber auch schon lange nicht mehr hier, denkt er sich.
In Wt-Boltenholz kommt die Fuhre zum Stehen. Fotografen stehen überall herum. "Wir machen jetzt ein paar Scheinanfahrten" ruft sein Begleiter und klettert von der Lok. Nun gut, Erich ist kein Mann vieler Worte, ob nun rangiert würde oder nicht, die Strecke ist bis Wt-Küllenhahn für seine Fuhre belegt, also darf nichts anderes von oben kommen.
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"Mit dem ganzen Zug vorziehen bis hinter die Ausfahrweiche, anhalten und langsam wieder zurücksetzen". Erich hört diese Anweisung, kann aber gar nicht adäquat antworten. Er grübelt noch welche Paragrafen der Fahrdienstvorschrift dabei verletzt würden, da schiebt der Veranstalter ein "Bitte" nach und lächelt sehr überzeugend. Also gut, dann wolln wir mal. Regler etwas weiter auf als sonst, Zylinderventile auf, Bremse langsam lösen. Der Train setzt sich mit quietschenden Bremsen langsam in Bewegung, die 50er legt ordentlich los und schon ist man an der Ausfahrweiche vorbei...
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Zurücksetzen und beim Zugleiter in Steinbeck melden.
Das hat jetzt zwar ordentlich Dampf gekostet, aber sein Linksaußen ist wohl Kummer gewohnt. "ach, die Stahlzüge im Ruhrpott sind doch anderes Kaliber" brummt er, und schwingt fast vergnügt die Schaufel...
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Der Zugleiter läßt die Fuhre jetzt bis Küllenhahn weiterfahren wie geplant.
Unterwegs macht Erich Bekanntschaft mit einer maroden Stelle im Gleisbett:
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Aber alte Hasen wie er lassen sich so leicht nicht erschrecken. Die Fuffziger ist eh etwas langsam unterwegs also drüberrumpeln. Muß mal in Steinbeck Bescheid sagen, denk er sich.
Unterwegs gibt es noch einige Begegnungen mit an der Strecke postierten Fotografengruppen, aber ansonsten wird Küllenhahn ohne weitere Probleme erreicht.
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Angekommen in Küllenhahn wird dann auch wieder ein bischen "Gezaubert" und eigentlich ist ja ganz stolz, der Erich.
DSCN6245klein.jpg

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Danach nur Umsetzen, ein paar Leerwagen mitaufnehmen und wieder zurück.
Wagen abhängen in Steinbeck, den Rest macht ein orstansässiges Dreirad und wieder Lz nach Vohwinkel.
War doch eigentlich ganz schön heute, denkt er sich zufrieden...
Martin Meiburg
Heimatdirektion Wuppertal
Letzte Änderung: 6 Monate, 1 Woche her von martinm. Begründung: Jahreszahl korrigiert damit es historisch korrekt ist

Aw: Neues vom Samba... 6 Monate, 1 Woche her #6450

Hallo Martin,

schöner Bericht von Erich...

Viele Grüße
Elmar
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Aw: Neues vom Samba... 6 Monate, 1 Woche her #6454

Da hat der Erich und sein Heizer tatsächlich einen schönen Tag gehabt. Aber der Direktionsdirektor, der Fotograf und der Geschichte(n)dokumentierer offenbar auch. Und die Leser ...

Danke und Gruß

Micha
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Neues vom Eckaaad 5 Monate her #6535

Was macht eigentlich Eckard R. ?(Name ist der Redaktion bekannt)
Eine Familienfeier ergab die günstige Gelegenheit, ihm nochmal ein paar Schwänke aus seiner aktiven Zeit zu entlocken…

Eckard, auch genannt „3 Finger Joe“, war in den 70er Jahren am Nordberg in Wt-Vohwinkel als Rangiermeister tätig. Die 70er waren Anfangs geprägt durch Vollbeschäftigung in der ganzen Bundesrepublik, die Anzahl der Arbeitslosen lag 1970 bei 149.000, eine Zahl von der heute die Politiker nur träumen können… Mit anderen Worten: die Wirtschaft brummte nur so. Dadurch, daß die private Motorisierung nicht mal ansatzweise so wie heute verbreitet war, wurden natürlich dementsprechend auch die produzierten Güter mit der Bahn transportiert. Dafür mußten Rohstoffe herangeschafft werden, Produktionsreste entsorgt werden, die arbeitende Bevölkerung zu den Arbeitsstellen transportiert werden und das Alles weitestgehend auf Schienen.
Diese Entwicklung zeigte sich auch im Wuppertal. Neben den großen Arbeitgebern Bayer AG, Vorwerk&Co, Herberts, Happich, Bemberg/ Glanzstoff, Kugelfischer, Blumhardt Fahrzeugwerke, Ackermann Fahrzeuge, Metzenhauer & Jung, Barmag (Textilmaschinen), Luhns (Seifen), Gebhard (Textilfabrik), Quante (Fernmeldetechnik), um nur die größten zu nennen, waren im Tal und auf den Höhen eine Unzahl von Klein- und Kleinstbetrieben tätig, die ihrerseits zur Wirtschaftlichen Produktion beitrugen und für Transportbedarf sorgten.
Neben dem Bahntransport wurde aber auch schon zu dieser Zeit viel auf der Straße transportiert, allerdings nicht so flächendeckend wie heute. Hierfür gab es mehrere Speditionen, die große Sammelzentren hatten, auf der einen Seite von der Straße gefüttert und auf der anderen Seite von der Bahn abgeführt wurden; HACO, Wolzenburg, Schenker, Kühne&Nagel und Rhenus hatten solche Lager- und Umladehallen, die in der Nacht Sammelgut auf Güterwagen verfrachteten, die dann während der Nacht noch auf Reise gingen.

Lassen wir Eckaaad zu Wort kommen: „… Wat meinsse, wat da los waa. Jede Nacht 15 Züge und tachsüba 22 Züge auflösen. Wenne da nich mitgekommen bis, dann hat sich dä Verkehr bis na Hagen zurückestaut… Eine scheiß Knüppelaabeit waa dat. Jäden Tach bei jädem Wetter draussen, egal obbet gereechnet hat oder nich. Immer dieses scheiß bücken unter die Puffer. Waarsse mal so richtich nassgereechnet und muß dich dann bücken, da bisse vollstäändich naass geweese…“ Neidisch waren die Kollegen auf die „Herren“ von der Bahnmeisterei. Heute würde man Störungsdienst sagen. Störungen hatten die vielen Weichen in Rbf Vohwinkel ja allemal…
„… wenn die gekommen sinn, un et hat jesifft wie aus Eimern, dann ham die erssma inne Rangierhüttte gehockt! Die ham gewaatet, dat et aufhööht zu reechnen, dann ham die ers ihr Weekzeuch ausgepackt…! Aba wia mußten ja raus, egal wat füan Scheißwetter da draussen waa. Un im Winta hasse inne Hütte voam Kanonenofen gestanden, da wurdse von voone gegrillt und dann wieda raus inne Kälte, man dat waan Scheiss…“ Aber wie er erzählt: „Wia ham auch viel Spassss gehapt. Wia waan 11 Leute inne Kolonne, wia ham uns abgewechselt mit aufschreiben und langmachen (Kupplungen aufdrehen, damit entkuppelt werden konnte), so dat man nich die ganze Zeit so schwer aabeiten mußte. Am schlimmsten wa imma dä Dienst mit dem Lokführer (von der Berglok). Da bisse aufm Trittbrett mitgefaahn, un am halben Bääg musstesse wieda runta innen Schotter springen. Man, ich weiß gaanich, wie man dat solange ausgehalten hat. Aber gesoffen wurde ja auch. Mann, die Kollegen vom Südbääg (ehemals Stellwerk 6, für die Richtung Köln/ Düsseldorf) hammet mal soo übatrieben, da kam nachts die Bahnpolizei un hat den Rangiermeister einkassiert. Den hasse nich wieder am Bääg geseehn.“
Es ist zwar nicht so erzählt worden, aber ich kann mir nun die Geschichte lebhaft vorstellen, wie es zu dem Spitznahmen „3 Finger Joe“ gekommen ist…
„…Dat waa einfach en Verständigungsproblem. Dä Lokführer vonne Bääglok wa soon ganz jungscher. Alle annern ham die Wagen beim Aufdrücken (kuppelreif zusammenfahren in den Richtungsgleisen) imma zusammengehalten und auf Spannung gehalten, damit man die scheißschweren Kupplungen besser einhängen konnte. Dä, aba da konnte dä nix füa, hat die Lok wieda abgesetzt während ich dabei wa, den Hemmschuh zu legen. Die Wagen sprangen durch die Spannung in allen Puffern ein ganzet Stück zurück und ich hatte die Pfote noch dazwischen. Ja, Scheiße! Kleina Finger sofort ab, dä hing nur noch an soom Fetzen Haut, der Ringfinger so stark in Mitleidenschaft gezogen, datte später abgenommen werden mußte…“
Aber das war nur einer der kleineren Unfälle, die im Rbf offenbar an der Tagesordnung waren. „… Mann ich wa ja hinterhä froh, dattat noch so glimpflich abgegangen waa… Einen Kollegen treff ich noch manchma inne Stadt, der hat eine Hand un einen ganzen Unteraam verloren…Ich hab etliche Tote gesehen, die vonne Puffer zu Tode gequetscht wurden.“ „Weil die nicht unter den Puffern gebückt durchgingen?“ „ Ja, genau. Manche ham sich einfach nich gebückt. Un du konns ja nich imma seehn, wat voone loos wa. Da macht soon Wagen auf einma en Satz und zu is die Lücke, die gerade noch da waa. Un dann is dat Geschrei groß…“
Es muß wirklich ein nicht nur schwerer, sondern auch gefährlicher Job gewesen sein…
Aber lustige Dinge gabs wohl auch:
„Wenn wia na Gräfrath hoch mussten, wia hatten immer Überlast. Da sinn wir manchmaa mitm Eima voll Sand vor die Lok hergegangen und haben Sand auffe Schienen gestreut, damit wia übahaupt hochkamen. Un dann in Gräfrath: ich vergess nie den Namen vom Lokführer E. ! Dä hat nie wat stehen lassen. Imma dran, sachte der, imma dran. Undann auffe Rückfaaht, da hat dä schon immer nen Kilomeeta vorm Signal (ESig Vohwinkel Rbf) gepfiffen. Dä hat gepfiffen, weil er den schweren Zuch nich halten konnte. Die aufm Stellwerk wußten imma schon Bescheid, wenn dä unterwegs war und gepfiffen hat: immer die Weiche zur SigW (Anschlußgleis zur Signalwerkstätte Wuppertal) stellen, da hatte dä dann genuch Auslauf…“

„Ja, mit dä Hand ging dat ja nich mehr alles so gut, nach dem Unfall binnich versetzt woodn. Ne gute Zeit wa ich in Varresbeck, dat war en bischen ruhiger. Dat kannte ich ja schon, weil wir sin da imma hin mit unsere Rangierlok, wenn von Derendorf die Gemüsewagen kamen. Die mußten imma schnell zum Großmaakt in Varresbeck. (übrigens ein sehr interessanter Zulauf: lt GZV 1969 wurden die Wagen wohl aus allen Richtungen in Düsseldorf Derendorf gesammelt, u.A. aus Köln mit De 5065, aus Mainz mit De 5079. Von D-Derendorf ging es mit Ne 5259 direkt nach Wt-Vohwinkel. Wagen aus Ri Osten kamen mit Ne 5276 von Hagen und wurden in Wt-Vohwinkel ausgestellt. Das Ganze wurde zusammengestellt und gingen direkt mit Üg 15661, 15665, 15669 von Wt-Vohwinkel Rbf zum Agl Großmarkt Wt-Varresbeck.) „Mindestens 6 Kühlwagen pro Faaht kamen da zusammen.“
„Ansonsten brachten die Güterzüge die Wagen für Varresbeck schon vorsortiert an. Da mußten wir nur noch verteilen. Kugelfischer hat das meiste gekricht. Aba runta zur Industriestraße ging auch ganz schön wat hin. Wia hatten mit unsere kleine Rote (eine Köf II) ganz schön zu tun. Am schlimmsten waa imma dä Schulte. Dä hat Stahl mit 6 Achsern gekricht. Die waan so scheißschwer. Da durften wia imma nur einen an den Haken nehmen. Oh Mann, ich kann Dir sagen, wie oft sinn wir unten gegen den Prellbock geknallt…“
Um sich das richtig vorstellen zu können: Der Anschlußkomplex Industriestraße war eine von der Stadt Wuppertal angelegte Anschlußbahn. Diese ging von Wt- Varresbeck aus und erreichte nach wenigen 100m Streckenlänge die meisten Anschließer ca 20m tiefer. Dort gab es alles was unser Herz heute höher schlagen ließe: Heinrich August Schulte (später Thyssen Schulte) Stahlhandel, Tanklager BV Aral, Spedition Rhenus, HACO, Holzhandel Kolk&Co. Das Ganze mit engen Bögen und 140er preussischen Weichen. Eine sehr schöne Übersicht dieser „Industriebahn Möbeck“ gibt es auf der Seite von Michael Peplies alias „Vauhundert“:
www.vauhundert.de/bahnhistorisches/rhein...BCsseldorf-dortmund/
„Rhenus hat natürlich auch viel gekricht, dazu der Kolk. Aba dat war ja nur Sperrgut und Stückgut. Aba dä Schulte waa imma dä Schlimmste…“
„Danach bin ich nach Steinbeck gekommen. Dat waa ne ruhige Zeit und nich so schwer wie in Vohwinkel. Aba mein Rücken machte nich mehr mit.“

Es folgte anschließend Besuch beim Amtsarzt in Köln. „Ja Herr R.; mit den Fingern kriegen Sie 20% Schwerbehinderung, der Rücken macht Ihnen ja auch zu schaffen, da kommen Sie auf über 50%. Ich werde Sie kaputtschreiben“.
„Wat meinsse, wat dat auf einma füan Schock waa! Ich waa 43, un von jetz auf gleich Frührentner!“

Aber Eckaad „3Finger Joe“ hat sich natürlich durchgebissen, wie man das ein seiner Generation halt so machte. Jetzt ist er 80 und freut sich weiterhin seines Lebens. Sei ihm noch ein langes, gesundes Leben gegönnt. Eckaaad, Du hast mit Deiner Gesundheit u.A. für unseren heutigen Wohlstand gesorgt, deswegen krichse jetz auch dat watte verdiens: ein würdiges Denkmal!
Vielen Dank!
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Und was hat das alles mit dem Samba zu tun? Eigentlich nix, aber is doch en schönes Döneken aus em Tal, oda?
Martin Meiburg
Heimatdirektion Wuppertal
Letzte Änderung: 5 Monate her von martinm.
Folgende Benutzer bedankten sich: micheln, Aloesch

Aw: Neues vom Eckaaad 5 Monate her #6541

Wunderbar...

Gruß

Alexander

Aw: Neues vom Eckaaad 5 Monate her #6545

Adolf Tegtmeier läßt grüssen ... vonne Ohma aus Gelsenkirchen. Nää, watt is dat schön.

Micha
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